Thursday, September 15, 2005

Der Intellektuelle Bankrott Deutschlands

"Sie war mutig, sie war ehrlich, sie war sogar präzise; kurz gesagt: Sie hat
alles falsch gemacht. Sie hat einen Wahlkampf wider die parteitaktische Vernunft
geführt. Sie kündigte eine Steuererhöhung an, sie warb für eine Privatisierung
der Pflegeversicherung, sie sagte allen Subventionsempfängern, den
Nachtarbeitern, den Autofahrern, den Hausbauern, das mit den staatlichen
Alimenten künftig nicht mehr zu rechnen sei. Die Furcht wuchs, die Zustimmung
schrumpfte." - Kommentar im Spiegel über Merkel von Gabor Steingart


Wenn soetwas schon zu lasten der Personen fällt, dass sie ehrlich und konkret waren, dann ist diese Land kaum noch zu retten, zumindest nicht politisch. Wer jetzt die Wanderung in die Schweiz bucht, sitzt wohl auf der sicheren Seite...

4 comments:

Karsten said...

Ruhig bleiben - das beschriebene Phänomen findet überall da statt, wo Menschen eine Gesellschaft bilden und einen Anführer suchen. Wer gnadenlos ehrlich ist, ohne sich des Vertrauens der Menschen sicher zu sein, geht ein hohes Risiko ein.

Max said...

Es ist klar, dass jemand der unbequeme Wahrheiten verbreitet, gerne persönlich angegriffen wird, allerdings ist es auch ein Armutszeugnis, dass Deutschland so wenig Mut aufbringt.

Allerdings gebe ich ihnen Recht, dass man es nicht überspitzt sehen darf, da ja nicht klar ist, dass Merkel wirklich eine zweite Thatcher wäre..

drchaos said...

Also ich finde das geht ein wenig daneben. Merkel hat keine überragenden Wahrheiten verbreitet, sondern nur von allen Opfer verlangt, damit der Staat mehr Geld zum Ausgeben hat. Etwas sehr ähnliches hat übrigens Franz Müntefering vor drei Jahren auch gesagt, ohne dass man ihm deswegen um den Hals gefallen wäre.

Merkel wurde im Wesentlichen als Steuererhöherin wahrgenommen (MwSt, Schichtzulage etc.). Daran ist sie selber schuld, zum einen Teil, weil sie Steuererhöherin *ist* und zum anderen Teil, weil sie nicht vermitteln konnte, an welcher Stelle genau die Bürger entlastet werden würden.

Max said...

Ich weis nicht, was Frau Merkel bei einem wirklich deutlichen Wahlsieg gemacht hätte, ob sie einfach nur eine kleinere SPD-Variante gewesen wäre, oder doch eine Thatcher. Darüber lässt sich jetzt nur noch spekulieren, allerdings habe ich so meine Zweifel, dass es wirklich gut gegange wäre (Ich habe sie ja auch nich gewählt ;) ).

Andererseits war ihr Wahlkampf offen, ehrlich und deshalb desasterös für sie und das ist was mir sehr auf den Magen geschlagen hat, dass offensichtlich die Mehrheit lieber fühl-dich-gut Sprüche hören will oder emotionales Gedusel vom Schröder, als die Wahrheit (überrascht war man natürlich nicht wirklich).