Sunday, April 09, 2006

Frankreich und der Irrtum der Mehrheit

Scott Adams (Der Dilbert Comic-Zeichner) hat einmal behauptet (BOCTAOE) das die Mehrheit, d.h. 66% immer Recht hat und er kaum Ausnahmen kennt.
Die Franzosen zeigen wieder einmal am besten wie Demokratie funktioniert bzw. warum ein Mob, d.h. die Mehrheit, nichts über Tatsachen weis, sondern in einer industriellen Demokratie lieber in einem schönen gepolsterten Luftschloß sitzen.

Gerade haben die beiden hohen Politiker Villepin und Chirac versucht etwas für die Bevölkerung zu tun, etwas, wozu die Mehrheit nicht willens ist es zu tun. Ein normaler Mensch ist auch nicht bereit sein Bein abzuschneiden, selbst wenn es unterkühlt ist (nur wenige sind dazu bereit, selbst in akuter Notsituation). Aus ähnlichen Gründen ist die Liberalisierung des Arbeitsmarktes in Frankreich auch unpopulär und spiegelt sich nun auch in Umfrageergebnissen.

Interessant also hier zu beobachten, wie die Demokratie direkt abstraft, wenn die Ideen der Mehrheit bzw. der Mehrheit der Wähler nicht durchgesetzt werden bzw. wenn scharfe Reformen anstehen. Und wir sehen, wie die Mehrheit lieber einer verlorenen behaglichen Idee hinterher hechelt, als die Möglichkeit sich aus dem Schlamassel zu befreien zu ergreifen. Ein eindeutiger Beweis, dass Demokratie an und für sich noch kein heiliger Gral ist und das ins Besondere die Idee, dass die Mehrheit (also bei 66% der Menschen) nicht recht haben muss.
Denn ein freierer Markt ist vielleicht das einzige, was den Franzosen jetzt noch helfen kann ihren Arbeitsmarkt zu stabilisieren und wieder etwas Ordnung in die verkrusteten Strukturen zu bekommen.

Wenn ich gerade bei der Idee die Mehrheit hat Recht bin, dann muss ich mir doch überlegen, wie oft schon die Mehrheit falsch lag. Die Mehrheit glaubte die Welt wäre flach, war sie nicht.

3 comments:

Anonymous said...

Ich finde es merkwürdig, daß gerade ein Liberaler wie du Liberalisierung mit Bein abschneiden vergleicht.

Den Franzosen geht's darum, daß sie offenbar lieber arbeitslos nach dem Studium bleiben, anstatt einen Job zu haben, wo man in den ersten zwei Jahren fliegen könnte.

Sie übersehen, daß arbeitslos ziemlicher Mist ist, und daß kein gescheiter Unternehmer einen *guten* Arbeitnehmer feuern würde. Vielleicht sind sie auch einfach alle schlecht und wissen das ;)

Zugegeben, als Anarchist habe ich selbst große Probleme, überhaupt die Logik der Protestanten/Protestierer dort zu verstehen, aber den Verlust des Kündigungsschutzes würde ich nicht vergleichen mit einer Amputation.

Schließlich bekommt man eh nur noch zunehmend Jobs auf begrenzte Zeit - und mit Recht. Warum soll dich der Unternehmer über Jahre bezahlen, nur weil Papi Staat das sagt, auch wenn er dich eben evtl nur begrenzt braucht. Kündigungsschutz lähmt Unternehmen, und dann wird auch gar nicht erst eingestellt, mit den schlechten Folgen für Wirtschaft, und dem Resultat, daß Unternehmen (international z.B.) schwächer dastehen, weil sie eben lieber zuwenig als zuviel einstellen.

Max said...

Merkwürdig, ich dachte ich versetze mich mal in diese Menschen hinein und überlege wie die es sehen und letztlich ist es genau das. Sie schneiden sich ein Bein ab, bzw. eine staatliche Unterstützung.

Wobei hier ja nicht gesagt ist, dass diese Bein nicht ein krankes Bein (und so seh ich diesen starren Arbeitsmarkt eher) ist, was besser abgeschnitten wird, bevor der ganze Körper an Fäulnis stirbt.
Naja, ich liebe wohl doch die makabere Bildsprache.

Naja, die Franzosen haben wohl ähnliche Angst wie viele Deutsche, die sich durch unbezahlte Praktika kämpfen müssen. Was viele allerdings vergessen ist, dass dieser Mangel an bezahlten Praktika und guten Arbeitsplätzen meistens eine künstliche Folge von verschiedensten Staatseingriffen ist. Leider scheint es aus der Mode gekommen zu sein direkte und indirekte Folgen zu analysieren.

Warum mich ein Unterneher auf Jahre bezahlen sollte? Weil er mein Know-How schätzt und mich nicht an die Konkurrenz verlieren will, aber soweit denkt der Konkurrenz-ungewohnte Franzose nicht mmehr.
Es gibt durchaus Gründe, warum es in der Phase des Wirtschaftswachstums in den 70ern immer noch viele Verträge zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gab, die ohne Tarifvertrag auf privater Basis eine Jobgarantie aussprachen.

Mein Vater hat damals noch einen Vertrag bei seinem Arbeitgeber bekommen, die einen Arbeitsplatz sichert und zwar ganz ohne Tarifverhandlungen und gesetzlichen Schutz. Zwar konnte man ihm schnell kündigen, jedoch wäre dies für die Firma teuer geworden, auf der anderen Seite konnte er den Vertrag nur schwer kündigen, ohne dabei selbst erhebliche Nachteile zu haben.

Es ist natürlich offensichtlich, dass solcherlei Verträge höchstens bei hochqualifizierten und herrausragenden Mitarbeitern abgeschlossen bzw angeboten werden. Dennoch ist es glaube ich verständlich, warum Unternehmen diese Möglichkeit nicht unbedingt ablehnen, da beide davon profitieren.

Unionsbuerger said...

Die Jugend hat gewonnen. Folgen wir ihr Beispiel.

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