Tuesday, July 28, 2009

George Orwell – A Hanging (1931)

Der erste Essay stammt aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise, das Britische Empire war zwar schon angeknackst, aber weigerte sich noch zu fallen. Die Engländer okkupierten immer noch Indien und genau hier spielt der Essay.

Der Essay ist eigentlich recht unscheinbar, erzählt er doch nur eindrücklich den Vorgang der Hinrichtung. Der Gang zum Schlagbaum, die Ankunft des Henkers und die Vollstreckung, sowie die Freude, die danach ausbricht. Er schildert es so eindrücklich, dass man glauben könnte, er wäre dabei gewesen. Ich bezweifele es nicht mal, ist er ja selbst in Indien für den Staat angestellt gewesen, wie man in einer späteren Geschichte erfährt.

Das Krude ist jedoch, dass alle Anwesenden angespannt waren, bis der Gefangene endlich tot war, dass es wie eine feierliche, aber peinliche, Zeremonie zelebriert wurde, danach aber gefeiert wie ein Fest. Wenn der Hauch des Todes von den Mitprozessierenden abgefallen ist, dann muss ein Scherz, ein Mahl die Stimmung auflockern, vielleicht einfach, weil man sonst damit nicht leben kann. Es kommt zwar nie die Schuld oder das Gewissen direkt rüber, dazu ist die Erzählung zu distanziert und abstrahiert, jedoch zeigt sich hier in den Taten die Gefühlswelt der Teilnehmer.

Selbst der Gefangene fällt mit in den Trott ein, hat er doch scheinbar schon einige Zeit gehabt, um sich darauf vorzubereiten. Wo am Anfang Angst und Verzweiflung waren, ist am Ende eine Abgeklärtheit, eine Seelenruhe und vor der Vollstreckung ein Bitten an Gott.

Es zeigte sich auch der Aberglauben bei den Einheimischen, die merklich schlechtere Laune kriegen als ein toller Hund den Gefangenen anspringt und damit ein nicht gerade gutes Omen bei den Hindus herbei ruft.

Was jedoch faszinierend ist, dass selbst Orwell als Betrachter quasi paralysiert ist von dem Schauspiel und von der Ergebenheit dieser Inder. Schön an der Geschichte ist, dass nirgendwo bestimmte Kritik laut wird, ob jetzt Todesstrafe gut oder schlecht ist, sondern einfach nur die Situation selbst beschrieben wird. Es ist wesentlich eindringlicher und man kann sich selbst eine Meinung bilden.

No comments: