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Friday, April 30, 2010

Spekulanten auf beiden Seiten

Lesenswerter Beitrag von Rayson bei BLOG über die “gesetzestreuen” und die “pösen” Spekulanten, hier ein Ausschnitt:

Es gibt natürlich noch andere Spekulanten. Nämlich solche, die damit rechnen, dass die Politiker vertragsbrüchig werden und Griechenland sowie den beteiligten Banken mit Milliardentransfers aus der Patsche helfen. Diese Marktteilnehmer werden wie verrückt griechische Staatspapiere kaufen, sobald ihr Zinssatz über den von ihnen als angemessenen betrachteten relativ risikolosen gestiegen ist. Von einer Verurteilung dieser Wette durch die Politik ist erstaunlicherweise nichts bekannt. Aber Spekulation ist wohl nur dann echte Spekulation, wenn sie dem Willen der Politik zuwiderläuft. Zu dieser Gruppe Spekulanten gehörten übrigens z.B. alle Banken, die in den letzten Jahren Griechenland Kredite gegeben haben. Was die Staaten jetzt vorhaben, ist, diesen Banken zu helfen, damit deren Spekulation auch tatsächlich aufgeht.

Tja, für mich steht die Antwort, wer von den beiden Spekulanten der wirklich schlimmere ist und ich denke, wenn man es so den Menschen präsentieren würde, dann würden sie gleichfalls zustimmen (oder tun sie das gar schon).

Sunday, March 14, 2010

Spekulanten und die FAZ

Ein interessanter Artikel bei der FAZ über Spekulanten und doch muss er kommentiert werden. Der Autor ist ökonomisch nicht unbedingt versiert und bleibt daher bei seinen Leisten und das scheint eine psychologische Analyse des Spekulanten zusein. Dies ist wohl auch den Ansatz, den die meisten Menschen bevorzugen, da leider ökonomisches Fachwissen oder auch nur Basiswissen zumindest in Europa rar gesäht ist (wenn man einmal von Universitäten mit Studiengängen der VWL absieht).

Der Autor beginnt mit einer historischen Herleitung, und wie eben Bucketshops schon früher eine private grass-roots Alternative zur Wallstreet und deren Gebaren etablierten (in bestem Hass durch die “Großen”). Leider unterläuft dem Autor hier ein wichtiger Fehler, er meint doch tatsächlich, dass diese Spekulationen vor dem “Kapitalismus” stattfanden. Dies zeigt, dass der Autor nur ein begrenztes Wissen über Marktwirtschaft und Wirtschaft i. A. hat, wenn er tatsächlich glaubt, dass Kapitalismus erst im 19. Jhr. “erfunden” wurde. Trotzdem ist dies keine seltene Ansicht in Europa, sondern leider weit verbreitet.

Ich könnte jetzt hier in ein Traktat über Kapitalismus, freie Marktwirtschaft und wo sie herkommt und zu finden ist, abschweifen, aber das geht am Punkt vorbei. Stattdessen soll hier genügen, dass volontärer Handel zwischen Personen die erste Ausprägung des Kapitalismus war und diese vom ersten Schwarzmarkt bis hin zum ersten Wochenmarkt schon früh in der Menschengeschichte zu finden war. Man könnte sogar einen Stamm oder die kleinste atomare EInheit mit diesem Prinzip in Verbindung bringen. Zwei Menschen leben zusammen, weil sie sich davon eine Win-Win Situation versprechen aus rationaler und emotionaler Sicht: Das ist “Kapitalismus” bzw. freie Marktwirtschaft.

Danach wird der Artikel wesentlich besser, er stellt die Vorurteile der Spekulationsgegner, sowie die Urteile der Spekulationsbefüworter da. Es zeigt sich hier, dass die einen über Psychologie und die Abhängigkeit (Sucht) der Spekulanten argumentieren, anstatt rationale Resultate zu beschreiben.

Die Spekulationsbefüworter halten dagegen, dass vielleicht ein kleiner Teil wirklich suchtähnlich spekuliert, aber der Großteil rational vorgeht: Er wettet auf das was er auch denkt und sagt (Im Gegensatz zum Politiker).

Letztlich scheiden sich die Geister, wenn es um die Kausalität geht (hier am Fall Griechenland). Die Spekulationsgegner meinen das die Spekulation Mitursache der Krise ist, da Griechenland keine billigen Kredite mehr bekommt.

Die Befürworter der Spekulation  halten dagegen und meinen, dass rein sequentiell der Staat Griechenland sich erst massiv verschuldet hat und dann haben die Spekulanten darauf reagiert, da es von Politikern und Ratingagentur schön geredet wurde.

Ich kann in dem ganzen Text jedoch nicht den Spekulationsgegnern glauben, ihre Thesen sind einfach unausgegoren und emotional. Sie gehen von einem süchtigen unmündigen Menschen aus und denken das dieser nur im Markt existiert und das große Gemeinschaften, wie Staaten die einzigen rationalen Akteure sind. Sie glauben nicht, dass Individuen am Markt so viel Eigennutz betreiben, dass sie nur dann Wetten, wenn sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Informationen, glauben Gewinnen zu können.

Und je mehr ich dir Argumente durch den Kopf gehen lasse, desto weniger überzeugen sie mich. Einfach weil diese Amateurpsychologie schwer zu beweisen ist, wohingegen man über rationale Bilanzen wesentlich deutlicher argumentieren kann.

Es ist sicherlich unangenehm für Griechenland, denn so müssen sie tatsächlich rationale Maßnahmen ansteuern, oder die harten Konsequenzen tragen. Das ist schwer für Leute, die am liebsten jeden Retten wollen und denen persönliche Verantwortung nicht sehr wichtig ist.

Es sind die Eltern, die ihre Kinder davor beschützen, dass ihnen etwas “passiert” und sie deshalb nie etwas eigenverantwortlich tun lassen, auch wenn sie dann mal auf die Nase fallen. Dies ist einfach keine gesunde Art und Weise sich zu entwickeln. Weder für ein menschliches Kind, noch für eine Kultur und Zivilisation.

Thursday, March 11, 2010

Spekulation, Griechenland und Politiker

Jetzt da auch unsere liebe Kanzlerin das etwas dümmliche und ökonomisch ungebildete Pfeifenkonzert der ach so pösen pösen Spekulanten aufgreift, muss man doch noch etwas Verstand in die Debatte kriegen.

Man muss das einmal mit etwas Perspektive sich vor Augen führen. Da schafft es ein Staat über Dekaden Misswirtschaft zu betreiben und über seinen Verhältnissen zu leben und nur der Euro hat Griechenland überhaupt so lange über Wasser gehalten, und dennoch haben die Politiker nur eine Schlussfolgerung aus dem Bilanzzustand der Griechen gezogen: ein paar Spekulanten, die das Problem endlich mal unpolitisiert ins Lampenricht gerückt haben, SIND SCHULD!

Doch was noch viel trauriger ist, ist die Tatsache, dass die Bürger in den meisten Euroländern diesen Leap of Faith, diese Orwellsche Verdrehung auch noch akzeptieren und sich hinter die Aussage stellen.

Es ist unglaublich, wie doch an und für sich intelligente Menschen bei diesem Thema so unglaublich kurzsichtig jedem Geschwalle der Politiker glauben, nur weil sie generell Angst vor chaotischen Systemen haben.

Es sehen wir doch mal das Problem genauer an. Griechenland schafft es, wie so viele demokratische Länder, nicht aus eigener Kraft eine vernünftige Bilanz im Haushalt einzurichten, weil jeder seinen Wählern eben ein paar Geschenke machen muss. Dies hat dazu geführt, dass Griechenland ähnlich wie Frankreich und Deutschland mehr als die Hälfte verstaatlicht ist, mit den besten Jobs in höheren öffentichen Ämtern. Ein negativer Haushalt und eine Überschuldung wären kein Problem, wenn der Staat nur einen kleinen Prozentsatz der Volkswirtschaft Griechenlands unter seinen Fittichen hätte. Wenn also der Staatsanteil nur, sagen wir mal, 10 % wäre, dann wäre ein Bankrott dieses Anteils vergleichsweise schmerzlos. Wenn jedoch auf einen Schlag 50-60 % der Wirtschaft einbrechen würden, dann kann man gut und gerne von einem Bürgerkrieg ausgehen.

Jetzt ist das Problem nicht neu und auch nicht überraschend für die Griechen gekommen, sie hatten es schon immer und haben (wie so viele demokratische Staaten) kein MIttel dagegen gefunden, sondern den alten Weg der Inflation beschritten. Dies war natürlich mit der Einführung des Euros vorbei und die Problemstellen im Budget kommen jetzt so richtig schön heraus. Dazu kommt dann auch noch, dass in der Zwischenzeit auch keine billigen Kredite mehr in der Krise durchkommen, weil alle ein bisschen Klamm sind, d.h. die Situation wird noch akuter, der Staat noch handlungsunfähiger und die Verschuldung noch eklatanter, da die Zinsen der Kredite enorm ansteigen.

Doch was machen die Politiker, sie können sich ja nicht mehr aus den Fängen ihrer gekauften Wähler befreien (der produktive Anteil der Bevölkerung ist ja nur noch eine Minderheit) und können dadurch keine Reformen oder Einschnitte durchführen. Stattdessen üben sie sich in Durchhalteparolen, betteln bei “noch” reicheren Nachbarländern (z.B. dem Nettozahler Deutschland) und versuchen sich als armen Sündenbock darzustellen. Da natürlich die anderen EU-Staaten nicht tatenlos zu sehen können, wie einer der ihren absäuft (was natürlich auch verhängnisvoll für die restlichen Staaten der PIGS wäre), greifen sie in die selbe Notstandsrhetorik ein. Natürlich sprechen sie von “drastichen Einschnitten” die notwendig sind und das die "Griechen sich doch mal bewegen” sollen, aber im Kern bereiten sie eine Rettung vor und verschleiern somit die Ursache. Statt die Wurzel des Übels zu ereigreifen, ereifern sie sich über einen Vorgang den man eher ein Symptom nennen kann.

Die Spekulaten waren nämlich nur vorrausschauend und wollen damit am Markt ein Signal setzen (und ein paar Milliönchen verdienen). Sie verdienen dieses Geld jedoch nicht damit, dass sie die Griechen in die Pfanne hauen, sondern damit aller Welt offen zu zeigen: Hey, Leute, hier gibt es ein Problem! Dieses Problem muss geklärt werden, es ist akut und bedroht das Land!

Dies steht im krassen Gegensatz zum Politiker, der mehr nach der Devise vorgeht: Hey, hier gibts nichts zu sehen, bitte weitergehen! Alle Probleme sind unter Kontrolle, machen sie sich keine Sorgen.

Welcher vernunftbegabte Mensch kann hier noch sagen, dass die Spekulanten wirklich die bösen Buben sind? Sicher, man kann über die Moral spekulieren, ob jetzt mehrere Millionen Gewinn gerechtfertigt sind, dafür das man aller Welt zeigt, wie schlecht es dem griechischen Staat geht, aber das ändert nichts an der Richtigkeit des Warnsignals!