Saturday, May 31, 2014

Strategiekritik: Grünen und Ihre Neuausrichtung

Die Grünen wollen mal wieder mehr Richtung Ökologie gehen. So sagt es zumindest die Wirtschaftsexpertin der Grünen aus dem Südwesten ("Expertin"). Leider gibt es ein kleines Problem. Die drängensten Probleme im Umweltschutz wurden alle in den letzten 30 Jahren mehr oder weniger behoben:

  • Ozonloch: FCKWs wurden verboten
  • Gewässerschutz: Naturschutz wurde hier nachweislich ausgedehnt (sehr zum Nachteil von Kayakfahrern)
  • Luftschutz: Die Qualität der deutschen Atemluft ist selbst in großen Städten ausreichend gut
  • Waldsterben: Deutscher Wald ist in der Zwischenzeit wieder bei bester Gesundheit

Viele dieser teilweise wichtigen Aspekte konnten mit nur geringem finanziellen Aufwand umgesetzt werden. Deshalb mussten die Grünen immer weiter höhere und schwerer zu erreichende Ziele aufgreifen. Global Warming, Recycling und Dosenpfand, Elektromobilität, Energiewende, Verbot von "GMO"s u.ä., komplettes Rauch- und Alkoholverbot. All dies sind Ziele, die nicht mehr einfach oder gar wirtschaftlich erreicht werden können und deshalb wesentlich teurer, oft zu teuer für Volkswirtschaft.

Einige der Ziele laufen sogar dem selbsterklärten Grünentum entgegen. Der Kampf gegen GMOs zum Beispiel ist tief anti-wissenschaftlich und vor allem im Eingedenken der eigenen Grünen Ideologie und Ihrem Vertrauen auf Ehrlich's Prognosen des Weltuntergangs auch nicht nachzuvollziehen. Wie die Frau im Interview auch schon so deutlich sagt: 9 Milliarden Menschen zu ernähren bedarf 2.5 x der Erde im heutigen Zustand. Wir müssten also entweder unsere Agrarfläche um das 2.5-fache ausdehnen, oder wir müssen unsere Agrarproduktivität um das 2.5-fache erhöhen. Letzteres können wir nur mit hochgezüchteten Pflanzen schaffen, bei denen der Ertrag pro m² um mehr als das doppelte gesteigert wird und dabei auch mit einer hohen Wahrscheinlichkeit entsteht (Schutz gegen Missernte). Anscheinend jedoch bestehen die Grünen auf ersteres, meinen jedoch auch das dafür keine neue Fläche benutzt werden soll. Ein großer Widerspruch, der eben jene Einstellung als unrealistisch aufzeigt. 
Letztlich bleibt dann nur noch die Eugenik bzw. der Nationalismus: Deutsche vor Ausländern.
Im Zweifel sind also dann zu viele Menschen auf dieser Erde und es gibt nur die Alternative einige sterben zu lassen... In die Richtung will ich aber gar nicht gehen, dass überlasse ich gerne den Grünen.


Wir sind etwa bei 80-90% auf dem Diagramm. Wir haben bisher einiges an Geld ausgegeben, aber es hielt sich in Grenzen. Ab jetzt jedoch kauft selbst viel Geld, relativ wenig Umweltschutz, da wir uns der Sättigungsgrenze nähern. Die Sättigungsgrenze kann verschoben werden durch technologische Innovation, diese lässt aber zur Zeit auf sich warten. Es ist also fraglich, warum und ob wir jetzt unbedingt die letzten 10% noch brauchen?
Hier wurde noch nie wirklich viel darüber diskutiert, sondern es immer nur angenommen, dass es unbedingt notwendig ist.

Tuesday, May 13, 2014

"Antikapitalisten" im VWL-Unterricht

Alle Jahre seit der 2. großen Rezession (oder ist es diesmal die große Depression) kommt diese Anklage von, wahrscheinlich, linken Studenten, die meinen das im Fach VWL falsche oder veraltete Theorien gelehrt werden. Man stelle sich vor der gleiche Vorwurf würde von Konservativen in den Fächern Soziologie oder Politikwissenschaften gestellt, dann wäre aber der Reichstrag am brennen *hust*.

Aber schauen wir uns doch mal die jungen Studenten und Studentinnen und Ihre Beschwerden an. Der SpOn hat ja ein wenig hier zusammen gefasst. Die Überschrift ist so groß und nichtssagend - alternative Wirtschaftsmodelle, welche denn? Die von Venezuela oder Nord Korea, oder doch wieder zurück in den Faschismus, die sind übrigens nicht neu sondern von der Geschichte schon aussortiert - und man kann nur hoffen das Herr Piketty nicht wirklich so etwas unterstützt. Es würde sein Buch recht unglaubwürdig machen. Denn genau in diesem scheinen ja eben doch die ganzen Theorien der VWL für seinen Schluß zusammen zu laufen, oder will er uns sagen das er da nur Müll analysiert hat?

Dann wird im eigentlich Text allerdings eine gewisse Lena Kaiser interviewt, die politische Gesinnung *pardon* Theorie studiert. Man weis nicht genau warum sie nicht mehr Ökonomie studiert, aber es lässt einen etwas skeptisch in den Text rutschen.

Als erstes geht man auf die Frage ein, ob denn mit einer alternativen Wirtschaftskultur die Krise umgehbar gewesen wäre, welche Frau Kaiser geschickt umgeht und dann meint, mit effizienten Märkten (gibt es in einer überregulierten Weltwirtschaft wie bei uns kaum), quantitativen Methoden (welchen dann? philosophischen Gedankenspielen? - Ach ja, das Solow-Modell ist doch eher qualitativ oder meint Sie eher Wünsche und Emotionen) und rationalem Homo Ökonomicus gehe es nicht. Nun muss man sagen, dass der Homo Oeconomicus mehr oder weniger eine Erfindung der marxistischen Linken ist und in der traditionellen Lehre, wenn dann nur im übertragenen Sinn vorhanden ist. Heute werden Marktakteure durch mehr als die simplistische Annahme des Homo Ökonomikus emuliert, aber das kann man nach 1-2 Semestern noch nicht wissen.
Übrigens, wenn man führende Ökonomen liest und das hat die Frau offensichtlich nicht (da bin ich als Ingenieur ja schon weiter), dann würde man sehen, dass weder Mankiw, noch Becker (leider tot :/), noch Kling, noch Sumner (und er ist wahrlich kein Mainstream) dies so sehen. Ganz im Gegenteil, sie sagen sogar, dass die Reaktionsmaßnahmen und deren Effektivität zumindest vom Monetarismus sehr gut beschrieben wurden. Und auch bei den Ursachen gibt es einen Haufen Theorien von bekannten Ökonomen, die die Krise erklären - natürlich nur wenige neo-Keynsianische.

Und wie möchte Frau Kaiser weiter gehen? Nun, erstmal den Lehrplan entrümpeln, der ist nämlich voll mit so "sinnlosem" Zeug wie "Theorie des allgemeinen Gleichgewichts". Das sie den Wert einer ideellen Theorie nicht erkannt hat, zeigt sie gleich im nächsten Satz. Sie behauptet, sie wäre so nicht realistisch und deshalb unnütz. Eine Definition x strebt gegen eine Grenze scheint ihr noch nie in die Quere gekommen sein. Man muss nicht 100% zu erreichen, um eine Theorie über die Sättigungsgrenze postulieren zu können.
Auch wenn das allgemeine Gleichgewicht in der "schmutzigen" Realität nicht immer dauerhaft erreicht wird, so strebt der Markt im Allgemeinen bei allen internen Kosten dorthin (Externe oder "Preislose" Kosten sind ein anderes Thema, dass aber auch behandelt wird).

Danach geht es gleich wieder zum Homo Ökonomicus, der nicht alternativlos ist. Ist er auch nicht und es wird viel daran geforscht. Man kann sich da auch viel Wissen im Hauptdiplom (bzw. heute Master) aneignen, wenn man dran bleibt. Das man in Klausuren Fakten und Theorien stumpf wiedergeben muss, geschenkt, musste ich bei Höherer Mathematik auch und wird sie in Politikwissenschaften auch machen müssen. Wir sind hier ja nicht beim kreativen Schreiben, sondern müssen auch mal harte Theorien auswendig lernen.

Theorie kann man aber nur vergleichen, wenn man die Grundlagen und die sind nun mal Status Quo, kennt. Mikroökonomie ist nun mal die Basis auch für die meisten Makrotheorien und im Gegensatz zu diesen weitgehend belegbar. Das keine Bezüge zu aktuellen Themen vorliegen, liegt dann wohl aber eher an ihrem Prof bzw. dem deutschen Lehrsystem, weniger an den Inhalten per se. Was soll man aber auch jemandem erklären, der den Komparativen Vorteil nicht verstanden hat, Lineare Optimierung nicht kennt oder sich in den Grundlagen der Statistik nicht auskennt.

Für Jungforscher, die keine Anhänger der Neoklassik sind, ist es in der VWL schwierig bis unmöglich, Karriere zu machen. Denken Sie nur an die wichtigen Journals, in denen man publizieren muss: Die sind von vorne bis hinten neoklassisch.

Da hat sie wohl recht! Wer nicht anhänger des Monetarismus oder der empirischen bzw. mathematischen Ökonomie ist, hat es tendenziell schwerer eine akademische Karriere zu starten. Neoklassisch muss man dafür aber nicht sein, wie ein gewisser Paul Krugman bewiesen hat.

Ach ja, wer etwas über die Alternative wissen möchte, wird natürlich in dem Interview enttäuscht. Hätte die Frau nämlich gesagt Marxismus, Sozialismus oder etwas ähnliches, dann hätte jeder gleich abgewinkt: Das hatten wir doch schon 20x in der Weltgeschichte, hat immer schrecklich geendet: China, Sowjetunion, Nordkorea, Vietnam, DDR, Venezuela, Brasilien, Chile, Spanien, Deutsches Reich etc.

Ach ja, den Aufruf findet man hier und die einzigen, die es in den letzten 60 Jahren geschafft haben die intellektuelle Vielseitigkeit an Universitäten zu zerstören sind die Linken, denn heute sind die Mehrzahl der Lehrstühle besetzt von Leuten, die in einem linken Echochamber leben; zumindest war das der Fall als ich vor etwas mehr als 4 Jahren an einer technischen Uni studiert habe.

Aber naja, so treibt man die gleiche sau alle paar Jahre durch das Dorf.


Monday, May 12, 2014

Ein Offener Brief zum Greenpeace-Beitrag in der Zeit

Scheinbar gehört Objektivität bzw. die Beleuchtung zweier Seiten nicht mehr zum guten Ton in den deutschen Printmedien (vielleicht gehen Sie ja deshalb langsam vor die Hunde?). Der Zeit fällt bezgl. der Energiewende und den KKW Rückbaukosten nichts besseres ein, als nur einen Greenpeace-Mitarbeiter, H. Riedl, zu interviewen. Im folgenden möchte ich auf dessen Aussagen antworten und versuchen etwas mehr Objektivität in die Debatte zu bekommen, wenn auch vor einem kleineren Publikum.

Die Atomkonzerne, wie er sie so schön nennt, sind schon lange nicht mehr das. RWE, E.On und auch EnBW haben schon lange Kohlekraftwerke, Wasserkraftwerke, Windparks und Solaranlagen. Keine dieser Technologien gibt ihnen jedoch so beständig und preiswert elektrischen Strom und keine macht es auf eine so CO2-neutrale Art und Weise.
Man versucht sich hier als Konzern auch nicht aus der Verantwortung zu stehlen, sondern zieht die Notleine. Schon seit langen haben die großen Konzerne ein Einnahmen und damit ein Profit-Problem, dies liegt vor allem daran das sich die Erneuerbaren nicht rechnen bei den heutigen Strompreisen. Dank der Bundesnetzagentur sind jedoch Preiserhöhungen über einem gewissen Niveau nicht durchsetzbar, sonst gilt es als Kartellverstoß. Jetzt müssten die schwankenden Konzerne auch noch Dekaden von KKW-Gewinnen ausfallen lassen und den Rückbau deutlich zeitlich vorziehen. Deshalb fürchten Sie auch Kosten in 100 Milliardenhöhe in den nächsten Jahren, die Sie so kurzfristig nicht tragen können. Ich denke es würde auch keinen Sinn machen, Sie damit zu belasten, wenn es letztlich nur dazu führen würde, dass sie bankrott gehen. Dann würde der Schaden auch wieder am Staat hängen bleiben und der Steuerzahler müsste einspringen.

Die Frage stellt sich natürlich, wer trägt denn die Verantwortung für den plötzlichen Rückbau. Beide haben eine Verantwortung, aber über die Zeitschiene ist einzige das deutsche Volk und seine Politiker Schuld, zumindest die 90% die dafür gestimmt haben. Sie haben auch keine Milliardengewinne eingefahren, sondern Milliardenumsätze, was nicht das gleiche ist. Wenn die Journalisten und Lobbyisten lernen würden Financial Fiscal Year Reports zu lesen, wäre mancher Diskussion geholfen. Allein für die EnBW war 2013 kein besonders gutes Jahr:

EBIT: 1 Milliarden Euro
EBT: 170 Millionen Euro

2012 war übrigens kaum besser. Die Unternehmen wollen jetzt die Kosten abwälzen, so H. Riedl. Natürlich, es war ja auch nicht Ihre Entscheidung, sondern die der Regierung, mitgetragen von einer überwältigenden Mehrheit der Deutschen, die sich jetzt aus der Verantwortung stehlen wollen, wie so oft.

Sind die 30 Milliarden der Energiekonzerne genug? 30 Milliarden in Rücklagen wird wahrscheinlich nicht für Endlagerung ausreichen. Ob die 44 Milliarden einer non-peer-reviewed nicht einsehbaren Studie von Greenpeace hier richtig liegen, keine Ahnung. Aber wer im Internet immer noch nicht zu Studien linkt, ist auch langsam nicht mehr glaubhaft.

Danach hat H. Riedl allerdings Unrecht. Es liegt nicht nur an den endgültigen Lagerkosten bzw. den Investitionen für ein Lager, sondern vor allem auch von einer Lagerstelle. Genau bei diesem Punkt stellen sich jedoch Gesellschaft und Staat so quer, dass man den Konzernen die Schuld dafür nicht geben kann. Sie haben gar keine Chance eine zu finden.
Stattdessen will H. Riedl die Unternehmen als Geldsäckel benutzen, dass im Notfall immer Geld ausspucken kann.

Tja, und was die Rückholung aus der Asse angeht, die wären nie notwendig gewesen, wenn die besseren Orte nicht aus politischen Gründen und deren Geschacher von der Landkarte verschwunden wären. Damit endet das kurze Interview, dass dem Leser nicht mehr sagt, als das Greenpeace oberflächlich arbeitet oder die Zeit.

Soll der Staat den Rückbau von Kernkraftwerken bezahlen müssen? - Eine Replik auf einen "Energieexperten"

Jan Seibel heißt der Mensch, der beim SWR 1 als "Energieexperte" gilt und er hat heute zu dem "Brandbrief" der Energiekonzerne einen mehrminütigen polemischen Beitrag (hier der Grundtext) geleistet. Klar natürlich auch, dass der Berliner Korrespondent aus der Sicht des grünen Mainstreams und durch und durch staatstreu berichtete. Objektivität gehört auch nicht mehr zu den stärken des ÖR Rundfunks. Man überlegt sich gerne wofür man eigentlich den Demokratiebeitrag zahlt, wenn dabei eine noch subjektivere und einseitigere Berichterstattung kommt, die man auch schon bei Pro7 oder RTL 2 haben könnte.

Eigentlich bin ich solche Beiträge eher aus dem Russischen Propaganda-Sender RTV gewohnt, denn von einer deutschen Medienquelle, die auch noch sich selbst so wichtig nimmt, wie der SWR. Aber was genau war denn da passiert?

Nun, die Energiekonzerne haben die Bundesregierung angeschrieben und sich darüber beschwert, dass Sie die Kosten für den Rückbau nicht alleine übernehmen wollen. Immerhin wurden Sie durch die Energiewende dazu gezwungen frühzeitig zurück zu bauen. Weder konnte also der Rückbaufond mit bisher 30 Mrd. Euro weiter aufgefüllt werden, noch konnten die Gewinne für die Restlaufzeit umgesetzt werden. Da der Ausstieg eine reine Staatsentscheidung mit einem unbeschreiblichen Volkswillen dahinter war, kann man aus Sicht der Konzerne eigentlich schon so argumentieren. Dazu kommt noch, dass ja eigentlich diese 90%, die für den Ausstieg waren, auch generell die Energiekonzerne verdächtigen Schabernack zu treiben und deshalb der Rückbau doch besser staatlich sein soll (Private Unternehmen sind doch eh nur auf Profitgier aus und würden versuchen die Umwelt zu zerstören *hust*). So gesehen sollte es die Grüne Journalie eigentlich nur begrüßen, dass die Unternehmen für den Staat Platz machen wollen.

Aber nein, weit gefehlt, denn da stehen ja Kosten dahinter und selbst solche Menschen wie Herr Seibel, denen Fakten oft etwas befremdlich und langweilig erscheinen, haben langsam Begriffen, die Kosten muss jemand zahlen und das sollen die Unternehmen sein. Jedoch finde ich besonders simplistisch von H. Seibel, dass er alle Argumente der Energieriesen gleich als "falsch" abtut und sich nur oberflächlich damit zu beschäftigen.

Das schöne ist, dass hierbei die Auseinandersetzung auf dem Niveau eines Deutschaufsatzes der 10. Klasse bleibt: Keine Fakten, aber viele Theorien. Er zeigt damit nur, dass ihm Wirtschaft und ökonomisches Denken genauso wie die Naturwissenschaften nicht wirklich nahe sind. Vielleicht ist er sogar so einer, der beim Anblick einer Gleichung schon Angstzustände bekommt, vielleicht auch nicht. Eines ist jedoch klar, es scheint ihm zu viel Gehirnschmalz abzuverlangen mehr als nur Strohmänner zu diskutieren oder sich gar mit der Opposition auseinander zu setzen.
Und auch der SWR1 hat meiner Meinung kaum noch ein Argument für eine Demokratieabgabe bei solch einer niedrigen Qualität und Voreingenommenheit.

P.S.: Sollte ich den Namen des Journalisten falsch geschrieben haben, tut mir dies natürlich leid. So habe ich ihn im Radio gehört und behalten. Leider findet man auch auf der Seite des SWR wenig zu der Person.

Thursday, April 10, 2014

Minimum Wage:

Die Mindestlohn-Diskussion zieht sich in Deutschland noch immer hin, auch wenn schon entschieden wurde. Leider ist sie immer noch genauso unwissenschaftlich und auf dumpfen Niveau, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann.

Die Debatte zeigt sich für mich von einer Seite, die in etwa der zwischen Kreationisten und Atheisten gleicht. Wir Liberale vertreten eine ganze Reihe guter wissenschaftlicher Studien, während der Gegner sich auf das Heilige Buch von Marx beruft. Und auch der eine oder andere Think Tank stimmt in diese Religiosität mit ein.

Erst einmal sei zu sagen, dass eine Mindestlohnerhöhung in den USA nicht das gleiche ist wie in Deutschland. Oft ist sie in den USA Bundesland abhängig und dazu betrifft sie nur eine kleine Minderheit (ungefähr 1- 3 % der arbeitenden Bevölkerung). In Deutschland sieht das bei 8,50 € bundesweit schon anders aus, betrifft aber auch hier 5 Mio. Deutsche (ungefähr 12% der Erwerbstätigen). Jetzt gibt es so viele Theorien zum Mindestlohn, wie es Sand am Strand gibt. Einige der Einflussfaktoren auf der Unternehmensseite seien hier kurz aufgelistet:


  • Reduktion der Arbeitszeit um die Kosten zu kompensieren (schlägt sich nicht auf Arbeitslosenquote um)
  • Reduktion von nicht-monetären Bezügen
  • Temporale Verschiebung von Neueinstellungen (Betrifft hauptsächlich Arbeitslose, aber die sind den Linken eh egal)
  • Substitution von Trainingsleistungen und Promotionen durch mehr brutto
  • Outsourcing von Positionen
  • Lohn drückt sich immer auf die Preise durch (Elastizität ist wichtig)
Viele dieser Faktoren lassen sich nicht macro-ökonomisch erfassen, ist aber mikro-ökonomisch erwiesen. Je nach Rigidität des Arbeitsmarktes und der Unternehmenskultur, passen sich die Unternehmen früher oder später diesen Zwängen aus Kosten und Einnahmen an. Bei höherer Besoldung muss die Produktivität eines Arbeiters steigen und zwar reel und nicht nur in der IG Metall Rhetorik.

Es gibt jedoch noch einige Faktoren, die hängen nicht vom Unternehmen ab, sondern vom Staat:

  • Mindestlohn wird nach ein paar Jahren durch die Inflation aufgefressen
    • damit ist Mindestlohn nur eine Temporäre Maßnahme (Ausnahme ist eine autom. Anpassung)
  • Gilt Mindestlohn nur für Voll- und Teilzeit und nicht für Praktika gibt es einen Substitutionseffekt
  • Gilt der mindestlohn auch für Praktika, dann werden mehr und mehr Unternehmen Abstand davon nehmen!
  • Die Höhe des Mindestlohn und der Sozialhilfe kann dazu führen, dass der Mindestlohn uninteressant wird bzw. noch teurer als erwartet.
Einige dieser Effekte sind den Akteuren wohl bekannt (deshalb viele Ausnahmen beim Mindestlohn), andere werden verdrängt oder nicht beachtet. 



Catia vs. Pro-E: Nach 5 Wochen

Nachdem ich 3 wunderbare und ärgerliche Jahre mit Pro-E verbracht habe, dass auch deutlich Probleme hatte, von denen einige von meiner Firma hausgemacht waren, wie z.B. die Wahl des PDM (Windchill sollte man nur nehmen, wenn man gerne Effizienz einbüßen möchte) und die komplizierte SAP-Verwaltung gepaart mit einer gängelnden Arbeitsvorschrift was Parts, Assemblies und Zeichnungen angeht. 

Doch andere Probleme sind auch einfach Fehler von Pro-E unter anderem waren dies:

  • Bei Fehlern, unvollständigen Skizzen oder falschen Referenzen kam der Fehlermodus aus den 90er Jahren wieder hoch (unbedienbar)
  • Skizzen waren, wenn die Maße und deren Reihenfolge nicht der Logik des Programs gefolgt hat unbedienbar und nicht robust
  • Definition von Achsen, Coordinatensystemen uä. waren teilweise noch aus alten Versionen und nicht verständlich
  • Stufenschnitte in Zeichnungen sind bei kleinen Änderungen zusammen gebrochen. 
  • Nicht parametrisierte Maße waren schwer oder gar nicht zu erstellen
  • OHNE Mapkeys war Pro-E schwer bis gar nicht zu bediene
Generell, wer wie ein Programmierer dachte oder versteht wie Software in den 90ern funktionierte, der war bei Pro-E gut dabei. Für Künstler war es nichts, da würde ich auch jetzt Catia empfehlen. Allerdings hatte Pro-E, besonders jetzt wo ich das Kontrastprogramm von Dassault Systems kenne, einige eklatante Vorteile, die jedes Maschinenbauunternehmen schätzen sollte:

  • Parametrisierung bis in die Zeichnungen: Man konnte Maße und Schnitte direkt über Referenzelemente in den Parts/Assemblies definieren und in der Zeichnung nutzen! Kein komplizierter Parametermanager notwendig
  • Skelettmodelle. Wirklich nicht zu unterschätzen; sehr mächtig und robust und einfach.
    • Beispiel: Versucht mal in Catia ein Teil n-mal zu duplizieren und dabei linear in z-Richtung zu vervielfältigen und gleichzeitig noch zu drehen. Unmöglich!
  • Assemblies sind einfach mächtiger, wie auch Parts, wenn es um Querschnitte geht, aber auch bei Pattern-Design
Ist Catia jetzt ganz schlecht? Nein, es ist gut für Einsteiger mit einfach aufgebauten Parts. Dann geht es schnell und ist robust. Allerdings ist ein automatisiertes Pro-E und gut konfiguriertes deutlich ansprechender. Catia hat mich in dieser Beziehung noch nicht überzeugt, aber ich probiere es weiter.

Wer mir sagen kann, wie man in Catia Instanzen im Assembly gleichzeitig linear vervielfältigen kann und dabei um einen Winkel X verdrehen und das ganze als Constraint, der kann sich meines Dankes sicher sein!




Wednesday, April 02, 2014

Streikende Piloten: Als nächstes der streikende Manager?

Die Piloten streiken die nächsten 3 Tage und mein Flug fällt natürlich flach. Das kostet mich Nerven und einen Urlaubstag und die Lufthansa bei 500k Flügen einen Haufen Geld. Bei den Piloten geht es nicht einmal um das Geld, sondern um eine andere Sozialleistung, die Sie noch zusätzlich zu einem Gehalt zwischen 75k und 250k €/a (je nach Erfahrung) bekommen!!

Sie wollen nämlich selbst entscheiden, wann Sie zu 80% Gehalt in den Frühruhestand gehen, weil sie ja ach so stark belastet sind und ein großes Risiko mit jedem Flug auf sich nehmen. Tja, jetzt könnte man auch mal die Busfahrer und Zugführer fragen. Oder einen Ingenieur der sicherheitsrelevante Teile baut oder in einem Atomkraftwerk arbeitet. Man könnte auch einen Minenarbeiter fragen oder einen Paketschlepper wie das mit der Abnutzung des Körpers durch Stress und harte Arbeit ist. Keiner von diesen Berufen hat die Möglichkeit früher in Rente zu gehen bei 80% Lohnausgleich! Warum sollten es Piloten dürfen?

Wie viel eine Pilotenarbeit wert ist, sei mal dahingestellt, aber Stewardessen haben die gleichen Arbeitszeiten und Probleme, dennoch keine der Privilegien von Piloten.

Es ist meiner Meinung nach ungerechtfertigt, mal wieder die Lufthansa in Geiselhaft zu nehmen und die Probleme auf dem Rücken der Kunden auszutragen. Natürlich sollen Sie ein Recht haben zu streiken, allerdings sollte dann auch die Lufthansa das Recht haben, sich nach Alternativen um zu sehen und das werden Sie auf die lange Sicht gesehen.

Generell ist mein Mitleid mit den Piloten begrenzt und ich halte es für Meckern auf hohem Niveau. Da hat auch in SWR1 der Sprecher der Gewerkschaft nicht geholfen. Ach ja, die Vertretung der Arbeitgeber wurde natürlich nicht mal gefragt, soviel zu den Qualitätsmedien der ÖR.

Monday, March 31, 2014

Radiosender SWR1 und Walfangverbot - Warum ich öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht besser als Privaten finde

Heute hat der internationale Gerichtshof den japanischen Walfang erheblich eingeschränkt. Bisher hat Japan wohl auch aus vorgehaltenen Gründen (wissenschaftliche Untersuchungen) immer noch eine große Menge an Walen wegen des Fleisches gejagt.

Während ich mit dem Verbot selbst nur bedingt etwas anfangen kann, da es wohl leider nur zwei Folgen haben wird, die nicht positiv sind, kann ich die Begründung vom SWR nur die Note 6 für durchgefallen geben.
Das Verbot selbst wird wohl nicht viel an der Situation ändern, wie der gezwungene japanische Kommentar dazu erahnen lässt. Sicher ist der Fang jetzt illegal, aber das wird den Preis für Walfleisch nur noch nach oben treiben und die Jagd begünstigen (wie auch bei Elfenbein und Elefanten!). Auch wird Japan bestimmt nicht plötzlich anfangen, dieses Verbot zu überwachen und da auch kein anderes Land sich dazu bereit erklärt bzw. das Recht hat in internationalen Gewässern japanische Schiffe zu stellen, sehe ich die Chancen für einen Erfolg durch das Verbot gering.

Doch die abstruse Erklärung des SWR hat nichts mit der Schönheit der Tiere zu tun, oder das Menschen die Arterhaltung solch großartiger Lebewesen am Herzen liegt. Nein, der SWR betont den Nutzen der Wale für den Klimawandel bzw. schreibt dem Verschwinden der Wale aus der Antarktis eine Mitschuld am mangelnden Abbau von CO2 in der Atmosphäre zu. Das Resultat, so die "Journalisten" beim SWR, ist ein Rückgang des polaren Eises in der Antarktis.

Nun, das kann man eigentlich ganz einfach nachprüfen. Wenn dem so ist, dann müsste in den letzten paar Jahrzehnten das Eis in der Antarktis merklich rückläufig gewesen sein. Wenn nicht, dann ist die Begründung mit den Walen wohl nicht der Weisheit letzter Schluss.

Leider zeigt sich, dass dies nicht der Fall ist:


Der Trend bleibt relativ linear auf einem Level in den letzten 40 Jahren. Mal gibt es ein wenig mehr, mal ein bisschen weniger Eis. Die These also, dass die Migration der Wale dazu führt, dass das Eis in der Antarktis schmilzt, ist nicht zu halten. Aber das würde man aus dem absolutistischen Ton des SWR nicht heraus hören. Es gibt jedoch Menschen, die vertrauen diesen Sendungen und dann hilft es der Wissenschaft nicht, dass solche Theorien als absolut richtig dargestellt werden.

Wer noch mehr interessante Karten, Daten und Fakten über das Eisniveau an den Polen haben möchte, dem sei die folgende Seite empfohlen:
Sea Ice Page - Whattsupwiththat

Monday, February 10, 2014

Gedanken zum Wochenstart

Der "Streit" in der Koalition über die Vorratsdatenspeicherung hält weiter an. Die Meinungen und das Pro- und Kontra sind schon seit langem bekannt, genauer seit dem letzten Streit darüber. Geändert hat sich wenig, auch nicht meine Position dagegen. Besonders der Zugriff auf die Daten muss geschützt werden besonders in Deutschland, wo jeder Trottel beim Einwohnermeldeamt fast alles über einen erfahren kann (Tja, dagegen ist die NSA Schnüffellei, die nur jedes 3. Telefonat verfolgen kann ein nichts).
Natürlich mögen viele jetzt wieder die viel beschworene Sicherheit zitieren, besonders auch gegen unsere Lieblingsfeinde und das mein Appell gegen einen herankriechenden Überwachungsstaat doch überzogen sind. Immerhin kennen wir ja unsere Hitlers und Honeckers, das wird uns nicht nochmal passieren.
Wer trotzdem gerne etwas Gänsehaut haben möchte, der kann gerne Under the Dome von Stephen King lesen (die gleichnamige TV-Serie ist leider nicht so gut).
Es ist erschreckend, wie der schleichende Prozess eines Polizeistaates in einem Dorf voran schreitet. Sicher mag die Umgebungsbedingung unter einer Kuppel einzigartig sein und ein bisschen SCI-FI. Allerdings sind geschlossene Landesgrenzen oder eine Mauer ganz ähnliche Trennmittel, fragt nur mal ehemalige Flüchtlinge aus der DDR oder Nord Korea.

Das zweite große Thema heute war die Frage ob die Pille-danach rezeptpflichtig sein soll. Meiner Meinung nach nein und auch viele andere Menschen haben das bei einer Diskussion bei YouFM so gesehen. Nicht nur das dadurch viel kostspieliger Organisationskram wegfallen würde, auch würden Ärzte und Arzthelfer/innen gehörig entlastet.
Die üblichen unselbstständigen Angstfrauen kamen natürlich auch wieder mit der Aussage: Aber es gibt auch Frauen, die können mit Pillen nicht um gehen, deshalb muss man sie beschützen, auch wenn sie erwachsen sind! Dafür ist dann ein Arzt notwendig, der noch einmal drüber schaut.

Nicht nur finde ich in diesem Fall die unglaubliche Arroganz und Selbstgerechtigkeit der Frau , die sie unter dem Deckmantel der Sorge um "Dumme" zeigt(zumindest aus ihrer Sicht Dumme), unheimlich und unglaublich, sondern auch die Tatsache, dass sie tatsächlich meint, dass selbst Erwachsene unmündig sind. Das Frauen über andere Frauen so denken ist schade und es zeigt sich, dass sich seit den 50ern nicht viel geändert hat. Die Mündigkeit in der Sexualität und das Eigentum der Frau bzw. das Recht der Frau auf körperliche Selbstbestimmung ist immer noch weit weg.
Ich kann verstehen, dass sie sich Sorgen macht, ich könnte ihr sogar noch zustimmen, wenn es um Kinder ginge, aber diese Einschränkung hat sie nicht gemacht, aber zwischen Sorge und einem Verbot ist ein großer Unterschied. Der Sorge könnte man mit Aufklärung über die Risiken begegnen, ein Verbot jedoch zeigt, dass eigentlich der Staat bzw. der Arzt die Macht über den Körper hat.

Warum ist ein potentiell gefährliches Mittel wie Alkohol frei verfügbar, aber bei einer Pille danach macht man so einen Aufstand. Beide können tödlich sein und beide können moderat genossen werden ohne Probleme. Das gilt übrigens nicht nur für die Pille danach, sondern für viele verschreibungspflichtige Drogen.


Monday, December 09, 2013

Automobile Zukunft: Flache Gedanken Edition

Manchmal fragt man sich, welche Leute heut zu Tage einen Beratervertrag bekommen. Mir schwant nichts gutes für die Projekte, die von diesem Herrn hier betreut werden. Er ist der Grund, warum man gerne über aufgeblasene Berater ohne Demut in Unternehmen lästert. Doch beschränken wir uns doch ab jetzt einfach mal nur auf das sachliche, es kann ja sein das der Spiegel ihn missverstanden hat und deshalb die Darstellung falsch rüber kommt. Andererseits sollte man ja bei einem Grimme-Award mehr erwarten, vielleicht wurde dieser jedoch auch nur für den Schreibstil vergeben.

Der Artikel beginnt mit ein bisschen Historie, nämlich das Städte in den 70er/80er Jahren hauptsächlich für Autos ausgelegt wurden und dabei einige Fußgängerzonen gestorben sind. Lassen wir das so einmal für Norddeutschland stehen und nehmen den Süden aus. Dann jedoch kommt dieser Zwischenwurf, der doch tatsächlich die Automobile Individualität erstmal bestätigt:

"Was aber wäre", fragt Randelhoff seine Zuhörer dann, "wenn das Auto zu uns käme? Stellt euch vor, ihr könntet am Frühstückstisch mit demSmartphone ein Auto bestellen. Das Auto kommt fahrerlos und automatisch vor die Tür gefahren. Ihr steigt ein, lest auf dem Weg zur Arbeit noch Nachrichten und werdet sicher und ausgeruht vor der Firma abgesetzt."

Erstens sind automatische Taxiservices, wie Uber, in anderen Ländern schon eingeführt und nichts neues. Ob das Auto dabei führerlos sein muss oder nicht, ist eine Frage für die Versicherung und/oder für die Taxi-Monopolisten, die in Deutschland dem "Jung-Entwickler" ordentlich Dampf unter dem Hintern machen würden. Essentiell beschreit er ein über das Internet erreichbares Taxi, was wiederum bisher nichts neues ist. Was fehlt ist jedoch ein erschwingliches Taxi-Abo von Wohnort zur Arbeit. Dafür müsste man jedoch nicht in die Zukunft schauen, das könnte man doch heute schon realisieren? Warum nicht?

Unfälle und Staus gibt es in diesem Szenario nicht mehr, weil ein Computerhirn die Ziele der einzelnen Fahrzeuge einsammelt, miteinander abgleicht und ihnen sichere Routen diktiert. Der Mensch gibt in diesem Szenario das Steuer aus der Hand, der Pkw als Privatbesitz und Statussymbol hat ausgedient.

Ah ja, das Computerhirn also, mal abgesehen davon das fehlerfreies Routing nur so gut sein wird, wie die Sensorik und das Programm. Leider werden beide von Menschen gemacht und müssen mit der Natur umgehen. Ja, der PKW Privatbesitz würde deutlich eingeschränkt, aber würde sich dies auch außerhalb der Stadt realisieren lassen? Würden Familien daran teilnehmen, denen besser durch ein Carsharing-Programm geholfen wäre? Könnten aber diese automatisierten Autos auch mit von Menschen gesteuerten Fahrzeugen auf einer Straße koexistieren? Wer ist bei einem Unfall schuld? Mit solchen praktischen Unwägbarkeiten hält sich der Philosoph des Großen und Ganzen natürlich nicht auf.

 "Wir werden das Auto erleben, das sich selbst fährt und allen gehört", sagt Randelhoff. Jeden einzelnen technischen Baustein, den man dafür brauche, gebe es schon, einige davon würden bereits serienmäßig eingebaut: Tempomat, Einparkhilfe, Navigationsgerät. An Universitäten wie der TU Braunschweig testen die angehenden Ingenieure seit Jahren selbstfahrende Autos, die sich per Scanner, Infrarot und Computer allein durch den Verkehr schlängeln.

Ja, einzeln ist das auch kein Problem, denn im Zweifelsfall ist der Mensch Herr der Komponenten, d.h. er kann eingreifen bzw. hat Sorge zu tragen, dass die Komponenten einwandfrei zusammen arbeiten. Nicht nur die TU Brauchschweig, auch die RHTW Aachen, das KIT, das MIT oder Google arbeiten daran und alle haben Sie Lösungen, die per se fahren können. Keiner konnte jedoch bisher die Autohersteller, oder die Versicherungsindustrie geschweige denn den Staat vollends überzeugen. Es ist übrigens das Zusammenspiel, dass schwierig ist und deshalb hilft es, wie so oft in der Menschheitsgeschichte nicht, dass die Einzelteile vorhanden sind: Es kommt auf den richtigen Zusammenbau an.

Als nächstes kommt ein interessanter Schlagabtausch (ob er wohl echt ist?) dran, den ich nachvollziehen kann, bei dem jedoch das Meiste am eigentlichen Crux vorbei geht. Es gibt bisher keine verlässlichen Großsstudien, die unter allen Wetterbedingungen ein funktionieren beweisen (bis zu einem gewissen Restrisiko natürlich), dass muss jedoch das Minimum sein.
Auch die Tatsache, dass viele Stadtkinder heute zwar einen Führerschein, aber kein Auto haben ist weder überraschend, noch ein Beweis für irgendwas. Erst einmal wurde Berlin als Beispiel genommen:

In Berlin kamen 2012 gerade noch 289 Zulassungen auf 1000 Einwohner, bundesweit waren es 472. Was will man auch in einer Stadt mit einem Wagen? Das Blech steht fast nur rum, rostet, wird schlimmstenfalls angezündet. Und ist viel zu teuer.

Entweder sind hier die Kinder zu reich oder zu arm. Das man so leichtfertig über "schlimmstenfalls angezündet" hinweg geht, zeigt mir wie wenig Ernst hier manche Dinge genommen werden. Dennoch 25% aller Einwohner holen sich ein Auto, selbst in Berlin, vielleicht wird dieser nur seltener genutzt, z.B. für eine Fahrt ins Grüne mit der Familie (Raus aus der Stadt!).
Außerdem ist die Frage ob Stadtbewohner die Zielgruppe sein sollten, haben diese ja heute schon Bahn, Bus und Taxi als Alternative, die auch von einem gewissen Teil genutzt werden.
Wie jedoch sollte sich so etwas für die Landbevölkerung darstellen, oder müssen jetzt alle in eine Großstadt ziehen, um dem Herrn genehm zu sein.

"Die Leute belügen sich noch immer über die Kosten ihrer Autos", sagt Randelhoff. Ein Pkw, der zum Beispiel acht Jahre in Gebrauch ist, kann in dieser Zeit um die 20.000 Euro an Wert verlieren, das wären etwa 200 Euro im Monat. Das allein ist mehr, als jede Monatskarte in Deutschland für den Nahverkehr kostet.

Nach 8 Jahren echtem Gebrauch, ist das Auto auch meistens ausgefahren, sonst liegt der Wert auch noch deutlich höher. Die Frage ist jedoch, wie viele Neuwagen werden denn noch von Privatpersonen gekauft?
Naja 200€/Monat ungefähr mit Inflation könnte hinkommen. Allerdings sollte man das ähnlich anrechnen wie die Abschreibung von Maschinen. Der Wertverlust existiert nur beim Weiterverkauf oder bei einem Versicherungsfall. Statt pro Monat, hätte er es lieber pro km rechnen sollen, dann hätte man mit der Zahl auch etwas anfangen können.

Für eine Strecke vomHauptbahnhof in Berlin nach Hamburg (280 Kilometer) kommt er für den Pkw so auf 120 Euro, ohne Parkgebühren. Ein Bahnticket kostet auf dieser Strecke 123 Euro - und zwar erster Klasse. Eine Fahrt zweiter Klasse bekommt man schon für die Hälfte. Randelhoff ist überzeugt: Wer objektiv die Kosten abwägt, entscheidet sich in Zukunft gegen den klassischen Pkw.

Ich hoffe in seinem Studium ist er sorgfältiger als in seinen Milchmädchen-Rechnungen. Wenn man also Wartung, Steuern, Versicherung und Betriebskosten zusammen rechnet, kommt man auf 120 € für eine Fahrt. Das ist schön, wenn man das Gleiche für eine Fahrt mit der DB macht, dann kostet das deutlich mehr als 123 €. 10 Milliarden Subventionen und sonstige Zuschüsse drücken die Ticketpreise runter. Der wahre Preis einer Bahnfahrt ist also deutlich höher. Wenn wir gerade dabei sind, wie bewertet er weitere Bahnnachteile. Eine Fahrt von Berlin in die Pampa kann schnell von 5 h für das Auto in 10 h mit der Bahn ausschlagen. Wie bewertet er diesen Nachteil? Wie die Tatsache, dass ein Zug nur zu vorgeschriebenen Zeiten verfügbar ist?

Er wohnt in einer WG, recht zentral im Dresdner Süden, einmal um die Ecke hält die Tram. In seinem Zimmer steht eine alte Verkehrsampel in der Ecke, an der Wand kleben Plakate mit wilden Strichen und Kreisen, rechts oben der Begriff "Fahrgast". Er entwickle gerade "ein Konzept gegen Verspätungen imFernverkehr", sagt er. Auf einem viel zu kleinen Schreibtisch stapeln sich Blätter und Bücher. Seit Monaten hat er nicht mehr daran gearbeitet, es steht auch gar kein Stuhl davor. Randelhoff schreibt seine Texte und Konzepte meist, na klar, unterwegs: im Zug, in der Tram, in der Pause irgendwo im Café oder in der Uni-Bibliothek.

Ah ja, ich hätte da eine Erklärung: Mehr Investitionen in den Binnenverkehr und die Infrastruktur durch die DB AG. Politisch könnte dies gesteuert werden, durch eine Zweckbindung der 10 Milliarden € Subventionen. Regionale und Kommunale Geldgeber können ähnlich reagieren und noch stärker auf pünktliche Züge bestehen. Mit genug Druck würde sich dann auch mal die DB bewegen. Aber naja, man kann auch sein Zimmer voll malen und hohle Reden schwingen.

Es ist auch schön, dass er mitten in der Stadt lebt, damit kann er bestimmt den Bedürfnissen der ländlichen Bevölkerung entsprechen, die haben nämlich oft ganz andere Anforderungen (auch bedingt durch ihre Arbeit).

Der Artikel kommt gegen Ende ein wenig vom Thema ab und beschäftigt zu stark mit der Person, was Schade ist. Die Person wird in unserem politischen Umfeld bestimmt reichen Boden finden, um Rent-Seeking zu betreiben. Leider müssen das echte Denker und Macher ausbaden.

Ach ja, zu den intelligenten Taxis: Ein großes Problem, dass jeder öffentliche Nahverkehr hat, können auch diese nicht lösen - Verschmutzung und Randalieren in den Taxen. Es wird interessant zu sehen, wie man dieses Vorbeugen kann. Bisher hat die Menschheit hier nur zwei Möglichkeiten gefunden. Privatbesitz, d.h. Autobesitzer zu sein, dies hilft auch in einer anonymen Großstadtumgebung, da hier der Halter darauf erpicht ist, dass das Auto in gutem Zustand bleibt.
Die zweite Möglichkeit ist in einer anonymen Stadt wie Berlin undenkbar, denn nur in einer Kommune in der jeder jeden kennt, ist die Scham so groß, dass eine Verschmutzung nicht so einfach vorkommt, ohne auf die Person zurück zu fallen. In einer Familie z.B. weis man immer, wer es als letztes hatte und kann denjenigen bestrafen. Deshalb kommt eine Verschmutzung auch viel seltener vor.